Weit über dreitausend Gedichte umfassen die um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstandenen Ghaselen des Mevlana Dschelaleddin Rumi. Neben der reichen Bildersprache ist für die Lyrik Rumis ihre besondere Musikalität und Rhythmik kennzeichnend, aus dem Geist der Musik geboren, zu wirbelndem Tanz anregend. Diese Lieder von tiefer Sehnsucht, leidenschaftlicher Liebe und mystischer Vereinigung, die der Autor im Zustand der Verzückung diktiert haben soll, gehören zum klassischen Kanon der Sufi-Dichtung. Rumis Popularität innerhalb der islamischen Welt erstreckt sich, Sprachgrenzen überschreitend, von Bosnien bis Bangladesh.Übersetzungen in unzählige Sprachen haben den Dichter darüber hinaus weltweit bekannt gemacht.


Friedrich Rückert (1788 – 1866), Begründer der deutschen Orientalistik, erwies sich nicht nur in der Vielzahl seiner Übersetzungen als sprachmächtiger Dichter. Er verfasste erstmals deutsche Verse nach den formalen Regeln des arabisch-persischen ghazals und bereicherte damit die deutschsprachige Lyrik um eine neue Gattung.

Die Kalligraphien, die diese Ausgabe schmücken, wurden in den Jahren 2008 bis 2016 von Thomas Steinbach verfertigt. Er bediente sich hierbei verschiedener Materialien wie Seidenpapier, Zeichenkarton, Aquarellpapier und -farben, Tusche, Bunt- und Gelstiften. Klassische Schriftstile – in der vorliegenden Auswahl Nasta’liq, Tholth bzw. Tawqi’ sowie maghrebinische Schrift – kontrastieren mit freier Komposition und Farbwahl, wobei, unter weitgehendem Verzicht auf Ornament, die Schrift selbst zum Bild wird.

Für den Satz wurde die von dem Leipziger Typographen Alfred Kapr zwischen 1959 und 1962 entwickelte Faust-Antiqua verwendet.