Das griechische Istanbul

Eine Zeitreise in die Stadt am Bosporus, die vor Jahrhunderten Konstantinopel hieß – das kosmopolitische Istanbul. Der autobiographische Roman des Istanbuler Rum, so heißt die griechischsprachige Minderheit, Yorgos Valasiadis, entführt uns in die Welt seiner Kindheit und Jugend, die Gassen von Tatavla der 1950/60er Jahre. Zwischen Rebellion und Rock’n Roll stellt er uns seine Familie, Freunde und Nachbarschaft vor: Vater Yannis, der in Uniform wie eine Vogelscheuche aussah und den Offiziersfrauen Pantoffeln á la Hollywood anfertigen musste, Großvater Kostas, der im Suff eine Polizeiwache überfiel, Patenonkel Antiochos, in dessen Lokal Atatürk ein- und ausging, die resolute Urgroßmutter Sultana, die das Brot für die Familie mit einer vorgetäuschten Schwangerschaft ergattert, den Schulfreund Restis, der den gestrengen Lehrer im Bordell erwischt, die jüdische Tante Rebecca, deren Bruder von deutschen Agenten während des Krieges ermordet wurde, Fischer, Wahrsager, Wasserträger…

Mit einer an Aziz Nesin gemahnenden Schalkhaftigkeit und geradezu übersprudelnden Erzählfreude berichtet Yorgos Valasiadis vom Leben der Minderheit, von Migration und Integration und von der Schönheit des Lebens.

Jorgos Valasiadis, 1940 in Istanbul geboren, absolvierte 1960 das Zografion Gymnasium. Nach seinem Wehrdienst als Leutnant in der türkischen Armee, heiratet er und emigrierte 1965 nach Deutschland, wo er ein Fachhochschulstudium als Außenhandelswirt abschloss. Seit 1975 ist er deutscher Staatsbürger, lebt In Frankfurt/Main und arbeitet für eine internationale Institution. Nebenbei lehrt er Iaido – die japanische Samuraischwertkunst, verfasst Haikus und schreibt Geschichten in griechischer, türkischer und deutscher Sprache. Seine Erzählungen erschienen in verschiedenen Anthologien, sein letzter Roman wurde zeitgleich in griechischer und türkischer Sprache publiziert.