Der Erste Weltkrieg tobt und das Osmanische Reich befindet sich in Auflösung. Der armenische Bausoldat Simon wird bei der Gendarmerie denunziert, weil er Flüchtlinge vor den Pogromen versteckt. Als er verhaftet wird, beginnt für ihn und seine Familie ein unfassbarer Leidensweg: der Weg in die Todeslager von Deir-ez-Zor. Mit Empathie und einer gehörigen Portion Galgenhumor erzählt Kirkor Ceyhan die Abenteuer einer Gruppe Armenier auf dem Deportationszug. Die Gefangenen erleben geplünderte Dörfer, eine Verrohung der Menschen, desolate Truppen und kleingeistige Mitläufer, aber auch Solidarität und Menschlichkeit in Momenten, wo sie nicht zu vermuten waren.
Kirkor Ceyhan, geboren 1926 in einem Dorf bei Sivas, hat die Berichte seiner überlebenden Familienangehörigen und Nachbarn gesammelt und zu diesem halbdokumentarischen Roman verarbeitet. Er wurde damit zum Vorbild für eine ganze Generation türkisch-armenischer Schriftsteller bei der Verarbeitung der lange verdrängten traumatischen Ereignisse. Durch seine Fragen nach Ursachen und Verantwortlichen der Massaker und Deportationen entgeht er ethnisch bzw. nationalistischen Zuschreibungen und hält ein Plädoyer für individuelle Verantwortung und Moral, gerade auch in Zeiten des Krieges.
Der türkisch-armenische Schriftsteller Mıgırdiç Margos­yan nennt Kirkor Ceyhan seinen und den Lehrmeister all derer, die sich mit der lange verschwiegenen Vergangenheit beschäftigen, der mit Witz und Verstand mit den gängigen Schwarzweißbildern aufräumt. Ein authentisches Buch, gespeist aus den Erinnerungen der Familie und Nachbarn des Autors, ein literarisches Zeugnis einer der ersten ethnischen Säuberungen des 20. Jahrhunderts. Kirkor Ceyhan wurde 1926 in Zara, einem kleinen anatolischen Dorf bei Sivas als Sohn einer armenischen Familie geboren. Er emigrierte nach Marseille und von dort aus nach Bonn, wo er bis zu seinem Tod 1999 lebte.


Ja Meister, mit deinen Erzählungen, von denen jede ihren eigenen Reiz hat und ihre ganz eigene Freude bereitet, die mit den verschiedensten Düften veredelt sind und von denen eine schöner ist als die andere, spielst Du für die Verständigen so leise auf deiner Saz, dass man dabei die Mücken sirren hören kann, und für die Unverständigen lärmst Du mit Pauken und Trompeten. Wenn es dann trotz allem immer noch einige Dumpfbacken und Steinschädel mit Brettern vor dem Kopf gibt, Einfältige, denen es am Vermögen mangelt, die Botschaften zu verstehen, die du Knoten um Knoten in den Teppich deiner Erzählungen einknüpfst, die du in ihre tauben Ohren flüsterst, dann ist das nicht deine Schuld. Was anderes kannst du tun, als derart abgestumpften Menschen völlig zu Recht zuzurufen: »Hey du Pfeife, was stehst du da so steif rum wie die Gans vorm Schlachter?«