»Wir schätzen die Türken, sie sind ein soldatisches Volk; 
aber wir wissen sehr wohl, dass sie keine Arier sind.«

Der Satz fällt im Istanbul des Jahres 1942 auf einer Veranstaltung im Deutschen Haus. Und er kratzt an der Ehre des Oberst a.D. Salih Süvari, des ehemaligen osmanischen Kadetten und Nachrichtenoffiziers des kaiserlichen Heeres, erfolgreichen Berliner Geschäftsmanns a.D. und Bewunderers alles Deutschen, der 1939 mit geheimem Auftrag in die Türkei zurückkehrt. Als deutscher Patriot hält er es für seine Pflicht, den Kampf des Deutschen Reiches gegen den russischen Bolschewismus zu unterstützen und mitzuhelfen, eine Allianz für die Befreiung der türkischen Völker zu schmieden. Denn Deutschland und die Türkei stehen für ihn in einer Schicksalsgemeinschaft. Gleichzeitig beginnt er seine Memoiren niederzuschreiben. Nach dem Tod seiner Frau Annette gerät sein Leben allmählich aus den Fugen. Seine Geliebte verschwindet spurlos und ihre Leiche wird erst Tage später von den Wellen des Bosporus angespült. In Berlin will man seine Berichte nicht lesen und begegnet ihm mit Misstrauen. Der türkische Geheimdienst heftet sich an seine Fersen und sein alter Freund Franz von Papen setzt sich vergeblich für ihn ein. Als schließlich eine Freundin aus Berliner Tagen vor seiner Tür steht, die als Jüdin aus Deutschland flieht und in Palästina eine neue Heimat finden will, muss er erkennen, dass seine Vorstellungen von Preußentum und Offiziersehre nicht mehr in diese Welt passen. Er beschließt sich zu stellen…
Zafer Şenocak verarbeitet in »Deutsche Schule« die Frage nach Identität und Identitätszuschreibung, (wie zuletzt in »Deutsch sein. Eine Aufklärungsschrift«). Er beschreibt das bunte und laute Berlin der Zwanziger Jahre, die Faszination des Kinos, den latenten Judenhass und die Unfähigkeit der bürgerlichen Schichten, dem aufkommenden Faschismus etwas entgegenzusetzen. Sein Romanheld erzählt rückblickend von Begegnungen mit türkischen Politikern, die im Nationalismus ihr Heil suchten und im Deutschen Reich ihren natürlichen Verbündeten sahen, dem es nachzueifern galt.