Die Geschichte des Verlages begann in den 1980ern. Linke türkische Intellektuelle fanden in der BRD Zuflucht und versuchten gleichzeitig, den politischen Kampf in der Türkei fortzusetzen wie auch in Deutschland für eine nichtrassistische Gesellschaft sich einzusetzen. Der Journalist und Aktivist Yıldırım Dağyeli, der auch als Übersetzer u.a. von Yaşar Kemal tätig war, schuf in Frankfurt/Main eine Plattform für türkeistämmige Literatur in Deutschland. Autoren wie Aras Ören, Zafer Şenocak, Nedim Gürsel, aber auch Nâzım Hikmet, Behçet Necatigil und Orhan Veli Kanık fanden über den Verlag Eingang in die deutschsprachige Literaturlandschaft. Obwohl der Verlag sich zunehmend auch dem sowjetischen Raum annäherte, ging der Buchmarkt ab 1989 in eine andere Richtung. Das Interesse an türkischer Literatur schwand rapide, die »Wiedervereinigung der Deutschen« beherrschte die öffentliche Wahrnehmung und den Buchmarkt. Der Verlag musste schließen.

2001 übernahmen die Tochter starteten die Tochter des einstigen Verlegers, Jeanine Dağyeli, und ihr Partner Mario Pschera einen neuen Anlauf. Jung, unbedarft, enthushiastisch und literaturbegeistert. Der Neuanfang war alles andere als leicht, wir mussten lernen, kämpften mit technischen Problemen und der Finanzierung, nicht alle Projekte ließen sich verwirklichen. Allen Widrigkeiten zum Trotz entwickelte sich ein Programm, auf das wir stolz sind. Wir veröffentlichten türkischen Underground und türkische feministische Texte, als noch kein Mensch davon wissen wollte, wir veröffentlichten erstmals eine direkte Übersetzung aus dem Usbekischen, wir propagierten kasachische Literatur und einen jakutischen Roman. Das ist nicht gleichzusetzen mit kommerziellem Erfolg, und wir finanzieren nicht unseren Lebensunterhalt aus unserer Verlagstätigkeit – dafür arbeiten wir in unseren Hauptberufen. Aber es ist unsere Leidenschaft und unser Bedürfnis, dem marktförmigen Mainstream etwas entgegenzusetzen und Themen und Autoren, die uns wichtig sind, für den deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen. Dabei helfen uns viele Freunde als Übersetzer, Autoren, Gestalter und Berater, denen wir an dieser Stelle für ihr Engagement danken wollen.

Betriebsausflug in den Pamir